Vom Buch zum Blog und wieder Zurück

Liebe Fangemeinde (aka Julia),

sicherlich habt ihr alle euch gefragt, wo ich die letzten Wochen abgeblieben bin. Als mich eine wildgewordene Stalkerin (Julia, sorry für die leicht verzerrte Version dieser Anekdote) am Telefon fragte, wo der neue Blog-Eintrag bleibt, dachte ich mir, es ist an der Zeit, mich mal wieder auf den Balkon zu begeben und dem Volk huldvoll zuzuwinken.

Was habe ich in den letzten Wochen gemacht? Gelesen. Wer sich denkt, „ach, die studiert Germanistik, die macht eh nichts anderes im Leben als lesen“, der irrt. Leider.

Seit ich angefangen habe, zu studieren, ist das Lesen zum Vergnügen gnadenlos zu kurz gekommen. Mit anderen Worten: Bis auf das immer gleiche Buch, das ich dem Genre der leichten Frauenliteratur zuordnen würde, und das ich alljährlich in den Weihnachtsferien gelesen habe (und an dieser Stelle braucht man fast nicht mehr von „lesen“ zu sprechen, denn ich kenne den Text inzwischen quasi auswendig), weil mir alles andere zu anstrengend war, habe ich praktisch gar nichts gelesen. Wie paradox, wenn man bedenkt, dass meine Lese-Leidenschaft der Hauptgrund war, überhaupt erst dieses Studium zu beginnen. Aber wenn ich nach einem Tag in der Uni nach Hause kam, an dem ich französische Grammatik gelernt, englische Romane diskutiert und schlecht gescannte Texte über Textverstehensforschung gelesen hatte, konnte ich keine gedruckten Seiten mehr lesen. Dazu der übermäßige Druck, dem man sich permanent selbst aussetzt: Wenn schon etwas lesen, auch wenn es in der Freizeit ist, dann einen Klassiker, zum Beispiel die Buddenbrooks von Thomas Mann. Wenn einen englischen Klassiker lesen, dann gefälligst auf Englisch, man studiert schließlich englische Literaturwissenschaft. Da geht jegliche Freude verloren und in meiner Bibliothek (aka drei Bretter im IKEA-Regal) stehen dreißig Bücher, von denen ich jeweils die ersten fünf Seiten gelesen habe.

Es ist natürlich nicht so, dass ich gar nicht gelesen habe. Abgesehen von den vielen Büchern, deren Anfang ich immerhin kenne, habe ich natürlich einiges für meine Literatur-Seminare gelesen. Und hier geht der Spaß erst richtig los: Bücher für die Uni lese ich aktiv. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, alles, was ich nicht verstehe, muss ich sofort nachschlagen, jeder interpretierfähige Abschnitt muss in meinem gedanklichen Archiv abgelegt werden, nach Beendigung eines Absatzes muss ich zurückspringen zum wichtigsten Satz und ihn gelb markieren. Dieser Modus des aktiven Lesens hat sich mit der Zeit auf mein ganzes Leben übertragen. Alles, was man liest, liest man durch die analytische Brille. Und weil das unglaublich anstrengend ist, liest man stattdessen gar nicht.

Aber da ich zurzeit mein Leben in die Hand nehme, ist damit Schluss. Ich lese wieder. Jenseits von jeglichem Druck. Auch wenn ich weiß, dass diese Woche noch ein Text für die Uni auf der Agenda steht, soll mich das nicht abhalten, abends im Bett einen Schundroman zu lesen (es gibt allerdings andere Gründe, die mich davon abhalten, abends im Bett einen Schundroman zu lesen). Auch wenn ich einen Bachelor-Abschluss in englischer Literatur habe, soll mich das nicht abhalten, englische Klassiker auf deutsch zu lesen. Wie gut ich damit zurechtkomme, werdet ihr in meinem nächsten Post über einen großartigen Roman von Jane Austen (Achtung Spoiler: es ist nicht „Stolz und Vorurteil“!) erfahren. Und zwar schon bald, denn: ich habe den Roman bereits fertig gelesen!

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