Matthew Quick: „Silver Linings“ | Vom Buch zum Blog #2

Schon wieder ein englisches Buch auf deutsch gelesen, haha. Sie wiederholen sich, Madame Fancy Francie.

„Silver Linings“, das war für mich zunächst ein Film, der mir aus der Netflix-Mediathek präsent war und den mir meine Mitbewohnerin sehr ans Herz legte. Sie meinte, es sei ein sehr schöner Film und er würde mir gut gefallen. Obwohl ich ihrem Urteil traue und mir zudem habe versichern lassen, dass es ein gutes Ende gibt (sorry, Spoiler Alert), habe ich es nicht über mich gebracht, den Film anzuschauen. Das mag zum einen daran liegen, dass mir der Hauptdarsteller Bradley Cooper leicht unsympathisch war (vermutlich zu Unrecht, aber ich kannte ihn vor allem aus seiner Rolle in dem Film „Er steht einfach nicht auf dich“, und die hat nicht alles andere als einen positiven Eindruck auf mich hinterlassen), und zum anderen daran, dass ich mich in einer Phase befand, in der ich zwar auf keinen Fall Filme mit traurigem/offenen, kurz: schlechtem Ende sehen wollte, aber irgendwie auch nicht so wirklich Filme mit Happy End. Ich habe den Film zwar mit den besten Absichten auf meine Netflix-Watchlist gesetzt, aber näher sind wir uns nicht gekommen.

Und dann hat das Leben eine jener unerwarteten Zufallsketten in Gang gesetzt, die immer zu etwas Besonderem werden (ich entschuldige mich, dass das so cheezy klingt, die Emotionen gehen ein bisschen mit mir durch). Ich hatte eine etwas längere Umsteigezeit am Bahnhof und bin, wie immer in einer solchen Situation, in die Bahnhofsbuchhandlung gegangen. Dort entdeckte ich eine Wühlkiste mit preisreduzierten Mängelexemplaren, und da circa dreiviertel meines Bücherregals aus preisreduzierten Mängelexemplaren besteht (vielleicht doch ein bisschen weniger; ich tendiere dazu, die Zahl meiner Reclam-Bände als zu gering einzuschätzen, weil so viele von ihnen auf so wenig Raum passen), habe ich mich umgehend ins Wühlen gestürzt. Dort entdeckte ich, nebst einem überragenden Büchlein namens „Unterm Tisch ist auf der Party“ (welches ich selbstverständlich kaufen musste), das Buch „Silver Linings“ von Matthew Quick.

Aha, dachte ich mir, es gibt also ein Buch zum Film. Beziehungsweise, man kann davon ausgehen, dass das Buch zuerst da war (was spätere Recherchen bestätigten). Und so beschloss ich, dem Buch den Vorrang zu geben. Ich kaufte es, ich las es, ich mochte es. Nun hatte ich auch einen Grund, den Film zu schauen, der immerhin für 8 Oscars nominiert wurde. Natürlich fand ich ihn nicht gut. Die Chance, dass ich eine Buchverfilmung gut finde, ist ohnehin eher gering, würde ich sagen (und faszinierenderweise renne ich trotzdem regelmäßig ins Kino, um mir genau das zu geben), und sie tendiert gegen null, wenn es nach Beendigung der letzten Seite nur Sekundenbruchteile dauert, bis der Film beginnt. Ich muss zugeben, ich habe ihm vielleicht nicht die Chance gegeben, die er verdient hätte und nebenher irgendwelche anderen Dinge gemacht, an die ich mich nicht einmal mehr erinnern kann (eventuell habe ich auch ein bisschen geschlafen). Aber es ist nun mal der erste Eindruck, der zählt, und den hat bei mir das Buch gemacht. Wenn man mit dem Anspruch an die Buch-Film-Sache rangeht, dass zweimal die gleiche Geschichte erzählt, kann es nur einen Gewinner und einen Verlierer geben.

Kurz zum Buch: Es beginnt damit, dass der Ich-Erzähler aus der psychiatrischen Klinik entlassen wird und wieder zu seinen Eltern zieht. Von Anfang an werden einige diffuse Andeutungen über die Vergangenheit des Erzählers gemacht (man ist natürlich durch den Klappentext bereits vorinformiert und voreingenommen), die das Buch unglaublich spannend machen, so lange man auf die Auflösung wartet. Die kommt erwartungsgemäß erst am Ende und BÄM, alles ergibt Sinn. Alle, die den Film gesehen haben, dürfen auf diese Spannung verzichten, denn die entscheidende Szene kommt bereits in den ersten paar Minuten vor (WARUM?). Ich wünsche viel Freude beim Lesen.

 

Literatur:

Matthew Quick: Silver Linings. Rowohlt Taschenbuch Verlag (2014).

Ben Applebaum / Ban DiSorbo: Unterm Tisch ist auf der Party: So geht Feiern. Knaur

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