London calling, or is it called off?

Off to London, habe ich mir gedacht, und beinahe hätte mir der Streik der Lufthansa einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber ich habe es tatsächlich in den Urlaub geschafft, und alles Weitere erfahrt ihr nun:

Ein neuer Beitrag war eigentlich schon viel früher geplant, aber nach den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen in den USA vor drei Wochen war ich erstmal geschockt und sprachlos. Über andere Themen zu schreiben, erschien mir falsch und zu den Wahlen selbst (und dem vorhergehenden Wahlkampf) wäre für mich nur ein Text aus sprachwissenschaftlicher Perspektiver infrage gekommen – was viel Vorbereitung gekostet hätte, für die ich in den letzten Wochen keine Zeit hatte. Was kann man tun, wenn man die Wahlergebnisse der USA gar nicht richtig fassen kann? Richtig: In das Land reisen, dass sich vor nicht allzu langer Zeit für den Ausstieg aus der Europäischen Union entschieden hat.

Ich habe für ein paar Tage meine Freundin Elisa in London besucht. Für mich war es das erste Mal in Großbritannien und daher bin ich mit jeder Menge Stereotype und Vor-Urteile im Kopf angereist. Fünf Tage strahlender Sonnenschein haben zumindest das Gerücht einer verregneten und nebligen Insel Lügen gestraft. Da ich neben viel Schlafen und alle neuen Folgen Gilmore Girls Schauen auch zumindest ein bisschen Anderes erlebt habe, sind hier nun meine:

5 Dinge, die man in London getan haben muss

1. In die Tate Modern gehen.

Schon als ich mich im Flugzeug durch die Auswahl an Museen im Reiseführer gelesen habe, war ich der Überforderung nahe. Natürlich hätte ich am liebsten jedes einzelne besucht, und natürlich ist jedes einzelne eines der größten, berühmtesten, bedeutendsten und vor allem weitläufigsten Museen der Welt. Geschafft haben wir es letztendlich nur in zwei davon: Die National Portrait Gallery und die Tate Gallery of Modern Art. Während die NPG zwar durchaus interessant, aber auch ein bisschen enttäuschend (Shakespeare und die Bronte Sisters sind zurzeit an andere Museen verliehen, Jane Austen und Oscar Wilde habe ich schlicht und ergreifend nicht gefunden, und in der Postkartenauswahl im Museums Shop habe ich fast nichts von dem gefunden, was ich gesehen habe, sodass man meinen könnte, ich sei in einem komplett anderen Museum gewesen).

Die Tate Modern war der Hammer und ist in ein paar Stunden zu bewältigen, sofern man sich auf die kostenfreien Dauerausstellungen beschränkt (oder eher die Hälfte davon). Besonders angenehm fand ich, dass die Gefahr, sich zu verlaufen und dabei die Hälfte der Räume (Jane Austen! Oscar Wilde! Wo seid ihr?!) zu verpassen, viel geringer ist als beispielsweise in der National Portrait Gallery. Neben thematischen Zusammenstellungen wie z.B. „International Surrealism“ oder die Frage, wie Kunst „after Auschwitz“ noch möglich ist, gibt es auch Raum für einzelne Künstler(innen). So z.B. Louise Bourgois, deren riesige und für Spinnenfeinde eher abstoßend wirkende Spinnen-Skulpturen die beschützende Mutter-Figur versinnbildlichen.

2. Nach Hogwar- äh, Oxford fahren.

Wenn man schon mal in London ist, kann man auch Oxford mitnehmen, haben wir uns gedacht. Die Zugfahrt dauert eine Stunde und ist erschwinglich, also stand einem Tagesausflug (abgesehen von der Müdigkeit) nichts im Weg. Wenn man in Oxford aus dem Zug steigt, ist man sofort in einer anderen Welt. Nicht nur, dass im Vergleich zu London alles sehr ruhig, klein und beschaulich ist. Auch der Blick in die Gesichter der Menschen bietet ein ganz anderes Bild als London. Der Großteil der Leute, die abends an den anderen Tischen im Pub saßen, lässt sich wohl am besten mit der Adjektiv-Trias „white, privileged, male“ beschreiben. Und was hat Oxford mit Hogwarts zu tun? Alles. Die altehrwürdigen Universitäts-Gebäude, sowohl von innen (Stichwort Dining Hall) als auch von außen, mit ihren zahlreichen kleinen Türmchen und den übermächtig großen steinernen Portalen, it’s magical. Auch der Kleidungsstil etlicher Studenten ist nicht so weit weg von den Schuluniformen, die wir aus den Harry-Potter-Filmen kennen – und in Anbetracht der Potter-Merchandise-Stores würde es mich auch nicht wundern, die ein oder andere Gestalt in original Gryffindor-Uniform auf der Straße zu begegnen. Übrigens: Neben Harry Potter gibt es in Oxford auch überall Alice im Wunderland-Verweise, denn der gute Lewis Carroll, der im echten Leben Charles Lutwidge Dodgson hieß, war im echten Leben Mathematiker in Oxford.

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Nachmittagssonne über Oxford

3. Afternoon Tea mit Scones zelebrieren.

Zugegeben, das habe ich nicht in London gemacht, sondern in Hogsford, aber ich bin mir sicher, dass es in London ebenso gut geht. Während der Afternoon Tea mit dem kompletten Étagère-Programm (winzig kleine süße Backwaren und eine Variation an Sandwiches) sündhaft teuer werden kann, ist das Erlebnis auch für rund fünf Pounds zu haben, wenn man sich auf Tea and Scones beschränkt. Marmelade und Clotted Cream sind inklusive. Der Afternoon Tea (der bei uns schon um 13:00 Uhr stattfand und irgendwie das Mittagessen ersetzt hat) war für mich Entspannung pur und bestätigt jedes „very british“-Klischee aufs feinste. Aber Vorsicht ist geboten: Von warmen Scones mit viel Zucker und Fett als Beilage kann einem schnell mal ein bisschen übel werden. Schwarztee hilft.

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Zucker und Fett und Fett und Zucker. Was gibt es besseres.

 

4. Vintage Stores und Food Markets abklappern.

Die Bricklane: Hier zeigt sich London von seiner hippen, gentrifizierten, Seite. Alles ist recycled, organic, vegan, glutenfree, sugarfree, low carb, soyfree, nutfree, vintage. Im Idealfall alles gleichzeitig. Entlang der Bricklane und den abzweigenden Seitenstraßen gibt es unzählige Second-Hand-Läden, Flohmarktstände, Design-Märkte und Street-Food aus jedem erdenklichen Land dieses Planeten. Hier haben wir unseren Sonntag verbracht und mit uns war die Gesamtheit an jungen, urbanen, hippen Londonern am Start. Mit nach Hause durften Design-Piece-Weihnachtsgeschenke für die Familie und ein Kaschmirpullover, den mir eine lovely old Lady für 20 Pounds verkauft hat. Ein letzter Tipp: Bei vielen Street Food Ständen bekommt man einen Gratis-Happen zum Probieren. Und es kann sich durchaus lohnen, an gewissen Ständen drei- bis fünfmal vorbeizustrollen.

5. Mit dem Bus fahren.

Ich bin schon lange ein Fan davon, auch in den größeren Großstädten nicht nur mit der U-Bahn, sondern auch mit den Bussen zu fahren. Und zwar nicht mit den maßlos überteuerten Hop-on-hop-off-Linien, sondern mit den öffentlichen. Man fährt dabei nicht nur an vielen touristischen Gebäuden vorbei, die man ohnehin nur kurz von außen besichtigen möchte, sondern bekommt auch ein Gefühl von der Stadt und den Menschen der Stadt. Den Menschen, die abends von der Arbeit heimfahren, und nicht denen, die eine Kamera um den Hals haben und zwei Tage später weiter nach Paris reisen (weil Europa so klein ist, dass man locker alles Wichtige in einen dreiwöchigen Trip packen kann). In London hat das Busfahren natürlich ein ganz besonderes Flair, denn die Busse sind rot und zweistöckig und es nervt kaum, dass eine automatische Stimme vierzig Minuten lang bei jeder Haltestelle „This is 25 to Oxford Circus“ sagt. Aber nein: die Aussicht (leider saßen wir nie ganz vorne, dort gibt es wirklich Panorama-View) macht das wieder wett. Was man hingegen vermeiden sollte, wenn man in London ist: Zu den Peak Zeiten vor 10 Uhr morgens und zwischen 16 und 18 Uhr mit der Tube fahren. Da ist es ganz schnell vorbei mit der Freundlichkeit der Engländer, und plötzlich ist sich jeder selbst der nächste. Und das will was heißen, wenn man dicht gequetscht zwischen Mensch und Tür durch den U-Bahn-Tunnel rast (Glückwunsch übrigens, denn das bedeutet, dass man es tatsächlich noch in den überfüllten Zug geschafft hat).

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Könnte sein, dass ich da ausversehen einen Hop-on-Bus fotografiert ha… (Ups) – oh sieh nur, da ist Big Ben!

2 Kommentare zu „London calling, or is it called off?

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