Das Paris-Journal: Endlich Touristin sein

Karten auf den Tisch: Es gibt nur einen einzigen Grund, warum ich in Paris bin, und das ist der Folgende: Damit meine Freundin Elisa mich besuchen kommen kann. Es war der Deal, als wir unsere Erasmus-Bewerbungen ins Postfach der Universität geworfen haben: Ich mache Urlaub bei ihr in London, sie macht Urlaub bei mir in Paris. Und jetzt war es endlich soweit! Nachdem ich schon vergangenen November meinen London-Besuch eingelöst habe (und hier darüber berichtet habe!), war Elisa bei mir zu Gast.

Ebenso wie ich das erste Mal in meinem Leben in London war, war sie jetzt das erste Mal in Paris, und das bedeutet natürlich, dass wir sämtliche Sightseeing-Hotspots abklappern mussten. Wir wurden mit touristischem Kaiserwetter belohnt und touristischen Massenanstürmen an den Sehenswürdigkeiten der Stadt bestraft. Ich greife im Folgenden auf mein altbewährtes Format zurück und präsentiere:

5 Dinge, die man in Paris ab-so-lut (ich hoffe, das ist richtig getrennt) getan haben muss:

1. Den Eiffelturm besichtigen

Das Offensichtliche zuerst. Von allen möglichen Orten der Stadt aus kann man mehr oder weniger viel vom Eiffelturm erhaschen: Erst in diesem Moment kommt das Paris-Feeling so richtig über einen. Aber uns Touristinnen reicht es nicht, ein bisschen was von der Turmspitze zu sehen. Wir wollen alles, was man kriegen kann, und fahren gemeinsam mit Horden anderer Tourist*innen zur Métro-Station Trocadéro, von der aus man direkt auf den besten Eiffelturm-Besichtigungs-Platz stolpert, den die Stadt zu bieten hat. Sehr viel sieht man natürlich nicht, denn es sind viele, viele andere Menschen im Bild. In den zweieinhalb Monaten, die ich jetzt in dieser Stadt wohne, war ich sogar schon einmal hier, aber das war weit weniger pittoresk, denn es war bei einer Demonstration, und es war EISKALT. Heute aber: Perfektes Selfie-Wetter und fünf Minuten später ist der erste Punkt von unserer To-Do-Liste abgehakt! (Wir bleiben trotzdem noch ein bisschen in der Sonne sitzen und futtern Apfelschnitzchen, denn aus dem Alter, in dem ich selbst mitgebrachtes Essen uncool finde, bin ich raus!)

Eiffelturm Selfie

2. In den Louvre gehen

Das nächste Offensichtliche als Nächstes. Der Louvre mit seiner schicken gläsernen Pyramide ist einer der TouristInnen-Magneten schlechthin und da dürfen wir natürlich nicht fehlen. Mona-Lisa-Alert!!! Die Schlange vor dem Security-Check am Eingang ist leider schon ein bisschen lang, obwohl wir extra früh aufgestanden sind und schon um 11:30 Uhr vor der sonnenangestrahlten Pyramide stehen.

Pyramide Louvre

Zum Glück kenne ich einen geheimen Trick, um das lange Anstehen zu umgehen. Es gibt ein unterirdisches Kaufhaus, von dem aus man ebenfalls ins Museum gelangt. Da dieser zweite Eingang schon vor vier, fünf Jahren ein Geheimtipp gewesen ist, war ich ein bisschen skeptisch, wie geheim der im Jahr 2017 noch sein kann. Das erstaunliche Ergebnis: Sehr geheim! Es waren ungefähr zehn Leute in der Schlange vor uns, und da wir als unter-26-jährige EU-Bürgerinnen freien Eintritt haben, müssen wir auch nicht anstehen, um Eintrittskarten zu kaufen. Damit verbleibt nur eine einzige Schlange in diesem Museum, und das ist die vor der Mona Lisa. Wieder einmal frage ich mich, warum dieses Bild eigentlich so beliebt ist. Es ist nicht mal arg groß, und vor den anderen Bildern Da Vincis, die einen Gang weiter hängen, tummeln sich schon weitaus weniger Leute.

Ich im Louvre

3. In den weniger touristischen Teil vom Louvre gehen

Ägypten-Sammlung! Ja, wir sind kleine Antiken-Freaks (chrm, Latein-Abitur, hüstel), und Elisa war außerdem hochgradigst davon überzeugt, dass es irgendwo eine Mumie gibt. Zahllose Tonkrüge, Vasen und Steinplatten später stehen wir tatsächlich vor einer ägyptischen Mumie und ich kann es kaum glauben. Da liegt ein Mensch rundum eingewickelt in weiße Stoffstreifen und noch faszinierender als die Tatsache, dass jeder seiner Finger einzeln umwickelt ist, finde ich unsere allzu menschliche Faszination für Totenkulte jeglicher Art. (Und um die Frage der Stil-Polizei direkt zu beantworten: Ja, das ist Absicht, dass „faszinierend“ und „Faszination“ im gleichen Satz stehen. Openthesaurus hat einfach keine adäquate Alternative vorgeschlagen)

Außerdem hier: Eine dreiteilige Installation von Anselm Kiefer, die extra für das Treppenhaus des Louvre angefertigt wurde. Obwohl ich Kiefers Kunst irgendwie düster, bedrückend und mitunter gruslig finde, bin ich absolut fasziniert!

Anselm Kiefer

4. Bus fahren

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber ich bin vom öffentlichen Nahverkehr europäischer Großstädte wirklich sehr überzeugt (mit Ausnahme vielleicht von Rom. Aber da kann man auch wirklich alles zu Fuß abklappern!). Das Pariser Bus-System ist nicht so leicht durchschaubar und bietet dadurch einen einzigartigen Vorteil: Keine Tourist_innen! Besonders entspannend war für uns die Fahrt mit der Linie 68, in die wir fast an der End/Start-Haltestelle in der Nähe von Moulin Rouge eingestiegen sind und sitzen bleiben konnten bis wir ganz im Süden der Stadt waren, vorbei an der Opéra (und danach durch die Heckscheibe der immer kleiner werdenden Oper nachhängend), durch den Louvre-Platz mit seiner Pyramide, vorbei am Musée D’Orsay, das mal ein Bahnhof war und das ich inzwischen wirklich oft genug gesehen habe (also fast, es gibt schon wieder neue Sonderausstellungen!), durch Saint Germain, was meiner Meinung nach der schönste Teil von Paris ist (aus dem üblichen Grund: keine Touristen), bis runter zum Porte D’Orléans, meiner Hood (die sich darüber definiert, dass sich hier die Supermärkte befinden, bei denen ich einkaufe).

5. Französisch frühstücken

Der Anfang dieses Textes war natürlich gelogen. Der einzige und wahre Grund, warum ich in Paris lebe, ist das Frühstück. Die Boulangerie Coquelicot in Montmartre ist schon länger einer meiner liebsten Orte zum Frühstücken, und das liegt nicht zuletzt an den überdimensionalen Heißgetränken, die man dort serviert bekommt. Oder den Baguettebrocken, die man für 40 Cent das Stück endlos weiter bestellen kann, bis man keinen Hunger oder keine Marmelade mehr hat. Ein bisschen verbleibe ich allerdings verwundert darüber, dass ich keine Reservierung für den Besuch meiner Eltern machen kann. Die Kellnerin sagt mir, ich solle anrufen, um zu reservieren. Der Rat meiner Mutter, doch direkt vor der Verkaufstheke mein Handy aus der Tasche zu ziehen und dort anzurufen, kam leider ein bisschen spät. Vielleicht probiere ich das beim nächsten Mal, wenn ich dort bin.

Bäcker Frühstück.JPG

 

PS: Was man auch unbedingt tun sollte, und was nicht in die fünf Kategorien gepasst hat, und was beschämt ganz unten steht, damit Christina nicht wieder neidisch werden muss: Im Park abhängen! Wir waren mehrmals im Jardin du Luxembourg, wo es gefühlt unendlich viele grüne Stühle gibt, und wo man entspannt den entspannten Rentnern beim Schach oder Pétanque spielen zuschauen kann…

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