Tarte au chocolat – ist das etwa ein Rezept?

Heute mache ich eine ganze Reihe meiner Freundinnen und Freunde zu Hauptdarstellern in meinem Text. Mit dabei: Sofia, Maggie aus M., Marten, Helena und Elliot (Namen von der Redaktion bis zur Unkenntlichkeit geändert. Na gut, vielleicht auch nur minimal orthografisch angepasst. Außer Maggie – bleib so wie du bist, meine Liebe).

Die Geschichte beginnt mit Sofia, die mich fragte, ob ich denn auch mal Rezepte auf meinen Blog stellen würde.

Was für Rezepte sollen das bitte sein, dachte ich, ich koche entweder nach bestehenden Rezepte und die zu publizieren wäre Plagiat und würde zur Exmatriku- — zu einer Klage führen, oder ich koche ohne Rezept und werfe einfach alles zusammen, was mir am besten schmeckt (Nudeln, Käse, Tomaten). Dabei fällt mir der Schokoladenkuchen ein. Ich mache immer Schokoladenkuchen. Zu Geburtstagen, WG- oder Abschiedspartys, oder einfach, weil ich Lust darauf habe und weiß, dass es ausreichend Mitbewohner*innen gibt, die diese Kalorienbombe auffuttern. Der Kuchen schmeckt allen, und das liegt nicht daran, dass ich besonders gut backen könnte, sondern weil er fast ausschließlich aus Fett, Zucker und Schokolade (die sich wiederum aus Fett und Zucker zusammensetzt) besteht. Weil der Kuchen allen schmeckt, werde ich auch ständig nach dem Rezept gefragt, und meine Antwort, von der ich immer denke, dass sie ganz simpel ist, ist eigentlich gar nicht so simpel. „Du gehst einfach zu Chefkoch, nimmst das fünfte Rezept bei Tarte au chocolat, aber ich lasse die Orange weg und nehme mehr Mehl und lasse den Kuchen nicht 15, sondern 30 Minuten im Ofen und…“

Auch für meine selbstgemachten Spätzle werde ich viel gelobt (ihr solltet die Spätzle meiner ehemaligen Mitbewohnerin Carina probieren, das sind die besten!). Dieses Lob fällt allerdings hin und wieder etwas fragwürdig aus. Meine Freundin Helena kommentierte einmal, als sie mir bei der Spätzle-Produktion zusah: „Warum studierst du eigentlich?“ Bevor ich genau verstehe, wie das gemeint ist, weiß ich, wie es NICHT gemeint ist. Mit einem Vorschlag, statt des Germanistik-Studiums doch lieber eine Ausbildung und Karriere als Köchin zu verfolgen, hat das nichts zu tun. Sondern mit meinen Qualitäten als Hausfrau. In etwa das Gleiche sagt mein Mitbewohner Elliot, während er meine Spätzle futtert: „Du wirst mal eine gute Frau sein. Ich muss dir einen Mann finden.“ What? Wenn ich also eines Tages mein Studium abbrechen werde, brauche ich keine faulen Ausreden. „Ich habe geheiratet“ ist ja zum Glück gesellschaftlich akzeptiert. Leute, wenn ihr bisher noch keinen Feminismus am Start hattet, solltet ihr euch spätestens jetzt einen zulegen. Funfact: Bis 1962 durften Frauen ohne Zustimmung des Ehemanns kein eigenes Bankkonto eröffnen. Bis 1969 durften Frauen keine eigene Firma gründen. Und auch im Jahr 2017 darf ich mich noch auf meine Zukunft am Herd freuen.  Ich möchte das Hausfrauen-Dasein nicht klein- oder schlechtreden (spätestens, wenn man Kinder hat ist das eh anstrengender als jeder Fulltime-Job). Es gibt außerdem immer mehr Männer, die Gefallen an ihrer Rolle als Hausmann finden. Aber die Entscheidung sollte jede_r selbst treffen.

Nichtsdestotrotz: Ich beschließe, mein Schokoladen-Kuchen-Rezept auf den Blog zu stellen, damit ich darauf verweisen kann, wenn ich mal wieder danach gefragt werde, und schließlich ist es auch mein Signature-Rezept, also warum sollte ich es nicht professionell mit der Welt teilen? Mit meiner neu erworbenen Tarteform und meiner Freundin Maggie aus M. backe und fotografiere ich eine Tarte au Chocolat und es kommt, wie es kommen muss: Die Oberfläche ist verbrannt und es gibt kein einziges Foto, auf dem man das nicht eindeutig erkennen kann. Naja, egal, denke ich mir, und investiere weitere fünf Stunden (mindestens!) meiner Lebenszeit in die Gestaltung meines Rezeptes.

Dann gibt es einen herben Rückschlag (dramatische Musik). Stolz berichte ich meinem Freund Marten, dass bald ein Rezept auf meinen Blog kommt und bin gespannt auf seine Reaktion.

„Oh Gott Franzi, bitte nicht.“

Äh, ja. Genau das, was ich mir erhofft hatte. Die Antwort, die ich hören wollte. Und weiter:
„Schreib lieber was über die 20er in Paris … Trifft auch mehr dein Studium und Lifestyle als nen öder Kuchen“

So sehr ich mich freue, dass mein Lifestyle mit den 20ern in Paris verglichen wird (sind die damals etwa auch immer um 17 Uhr ins Bett gekrochen und erst am nächsten Morgen um 9:00 wieder auferstanden?), bin ich doch ein bisschen (sehr) geknickt. Ich wiederhole noch einmal: Das Formatieren meines Rezepts hat fünf Stunden gedauert. Fünf. Stunden. FÜNF STUNDEN. Mein Vorschlag wäre also, dass sich Helena und Marten mal auf einen Kaffee treffen und unter sich diskutieren, über was ich zukünftig schreiben soll oder ob ich mich lieber doch gleich aufs Kochen spezialisiere. Vielleicht möchte Helena ja sogar einen selbstgebackenen Kuchen mitbringen. Das Rezept werde ich ihr jedenfalls nicht vorenthalten.

01_Rezept Tarte au Chocolat02_Rezept Tarte au Chocolat03_Rezept Tarte au Chocolat04_Rezept Tarte au Chocolat

Nicht lange um den heißen Brei herum reden, guten Appetit und so, lasst es euch ja nicht von zu vielen Köchen verderben. Rache wird am besten kalt serviert und versalzen ist sie auch noch.

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