Über das Schreiben

„Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ (Mark Twain)

Dieser Text beginnt mit diesem Zitat von Mark Twain, weil ich immer dachte, wenn ich mal so ein Blog-Ding machen sollte, müsste jeder meiner Texte mit einem klugen Spruch von einem schlauen Philosophen oder einer weisen Schriftstellerin beginnen. Um einen Anhaltspunkt zu haben, weil ich den brauche, um zu wissen, worüber ich schreiben kann.

Sollen, müssen, brauchen, können. Denn wir wissen alle, dass Schreiben so gar nicht leicht ist. Ich selbst sitze zumindest immer wieder ratlos vor einem gleißend-weiß leuchtenden Word-Dokument und lasse mich vom blinkenden Cursor nervös machen, wenn ich nicht weiß, wie ich eine Hausarbeit anfangen soll. Oder eine Mail an die Universität (oder, noch schwieriger, noch langwieriger, eine Mail an die Universität in Frankreich). Oder eine Geburtstagskarte. Oder eine Einkaufsliste.

Schreiben ist ein Kampf. Schreiben ist ein Krampf. Schreiben ist schwierig. Es ist das In-Worte-Fassen von Gedanken, die damit zur Realität werden. Es ist Selbst-Preisgabe. Besonders in Texten, die sehr persönlich sind. Seit ich denken kann (oder eher seit ich schreiben, seit ich tippen kann), habe ich kleine Geschichten und Gedichte geschrieben, und das sind für mich die persönlichsten Texte überhaupt. Nicht, weil so viel wahre Begebenheiten darin stecken, sondern weil eben nicht so viele wahre Begebenheiten darin stecken. Sondern Dinge, Orte, Handlungen, Charaktere, die meinem Kopf und meiner Fantasie entsprungen sind. Meine größte Angst war schon immer, dass Menschen in den Figuren meiner fiktionalen Texte nur mich selbst sehen würden. Das ist schon passiert und es hatte weniger schöne Konsequenzen. Diese Angst war und ist noch immer so groß, dass ich einmal, vor Jahren, bei einer Schreibwerkstatt, in einem sehr sicheren Rahmen, als wir alle sagen sollten, was unsere größte Angst beim Schreiben ist, nicht sagen konnte, dass ich Angst habe, andere sehen keine Protagonistin, sondern mich. Stattdessen habe ich irgendetwas anderes gesagt, das so unwichtig war, dass ich mich heute nicht einmal daran erinnern kann.

Und doch kann ich nicht anders: Ich muss schreiben. Denn ich denke unendlich viel, und die Gedanken in meinem Kopf formen die Worte wie von selbst, und aus den Wörtern werden Sätze, und aus den Sätzen werden Texte, oder meistens vielmehr Text-Anfänge, denn das Ende entwickelt sich immer erst im Aufschreiben – und das Aufschreiben, das brauche ich, um die ständige Unruhe meines Denkens zu beruhigen. Letztes Jahr im Sommer habe ich ein Buch gekauft, weil meine Freundin Maggie es mir dringend empfohlen hat: Das Herz ist ein einsamer Jäger, von Carson McCullers. Ich habe es immer noch nicht zu Ende gelesen (denn lesen ist ein Kampf, aber das ist eine andere Geschichte), aber ich arbeite daran, und ich bin heute über diesen Satz gestolpert, in dem ich mich selbst so sehr wiedergefunden haben:

„Diese Worte in ihren Herzen lassen ihnen keine Ruhe, daher sind sie immer so beschäftigt [mit Denken].“

Darum muss ich schreiben. Und wenn es von Herzen kommt, ist es manchmal wirklich ganz leicht.

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