Fastenzeit 2018: 40 Tage ohne Plastik

Es sind diese Wochen zwischen der Guggemusik/Rotkäppchenkostüm-Zeit (Fastnacht) und dem Schokohasen-Sale (Ostern), in denen ich immer vergesse, dass Fastenzeit ist: die Fastenzeit. Meistens fällt mir irgendwann bei der Arbeit auf, dass einige der Mitarbeiter den Süßigkeiten-Teller meiden und auf die Raucherpause verzichten, und da merke ich, dass ich – mal wieder – den Anfang der Fastenzeit verpasst habe.Und man kennt es ja: Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, noch damit anzufangen, denke ich. Für Aufgaben dieser Art bin ich nicht gemacht, ich wäre es auch nicht, wenn jemand in einem Anfall von „Christentum-ist-uncool-und-out“ und ganz zeitgemäß eine #40DayChallenge daraus machen würde. Es gibt aber Menschen von einem anderen Schlag, und dazu gehört meine Freundin Andrea, die dieses Jahr Plastik-Fasten gemacht hat. Weil ich alles, was nicht mit Plastik zu tun hat, ziemlich cool finde, habe ich Andrea gefragt, ob ich sie zu diesem Thema interviewen darf. Ich darf! Beziehungsweise: Ich durfte! Und ich habe.

Fünf Minuten vor unserem Skype-Termin fällt mir auf, dass ich absolut keine Ahnung habe, wie man eigentlich ein Interview führt. Ich bin ja keine Journalistin. Aber Andrea ist Journalistin. Nachdem ich sie kurz dazu interviewe, wie man denn nun Interviews führt, geht es endlich los:  Vorhang auf für ein kleines F&A – ob das nun für „Franzi und Andrea“ oder für „Frage und Antwort“ steht, sei den Leser*innen selbst überlassen.

F: Warum hast du dich für das Plastikfasten entschieden?

A: Die Idee hatte ich spontan, ich faste normalerweise nicht. Aber ich dachte mir, ich könnte ja mal versuchen, auf Plastik zu verzichten, da ich mich mit dem Thema schon länger beschäftige. Dieser radikale Schritt war da der nächste.

F: Hat dich jemand zum Plastik-Fasten inspiriert oder gab es eine Anleitung, der du gefolgt bist?

A: Ich bin eher von mir aus darauf gekommen, mit dem Hintergedanken, dass einige Leute das machen. Dann habe ich auch entdeckt, dass eine Lokalzeitung bei uns das gemacht hat. Bei der Münchner Seite rehab republic habe ich mir Tipps geholt.

F: Wie gut hat das Fasten funktioniert?

A: Mittelmäßig. Zunächst hatte ich den Vorteil, dass ich noch eine gut gefüllte Speisekammer und viel eingemachtes Essen im Glas hatte (eingekochtes Obst und Gemüse von Oma). Das Einkaufen hat ganz gut geklappt, außer bei den Dingen, die für wenig Geld gar nicht ohne Plastik zu bekommen sind (z.B. Zahnpaste, Spülmittel). Ich bin ja fast noch studentisch unterwegs und versuche eher, für schmales Geld einzukaufen.

F: Was ist dir am schwersten gefallen?

A: Mir die Zeit zu nehmen, meine Möglichkeiten abzuwägen. Man hat im Supermarkt ja gewohnte Laufwege. Das, was man kennt, liegt immer da, wo es liegt. Ich musste neu überlegen: Gibt es meinen Joghurt auch im Glas? Die Paprika auch ohne Plastik drumrum? Das ist teilweise in Stress für mich ausgeartet, weil ich darüber nachdenken musste: Wo kriege ich das jetzt her?

F: Was ist dir besonders leicht gefallen?

A: Eine eigene Dose für die Fleischtheke mitzubringen. Mein Supermarkt war da sehr entspannt. An die Dose habe ich zu Hause immer gedacht: „Ah, ich will Hühnchen kaufen, ich muss eine Dose mitnehmen.“

Auch Käse hätte ich in meine Dose packen lassen können, aber das habe ich in der Zeit nur einmal gekauft und in dem Moment habe ich nicht daran gedacht, ihn ohne Plastik zu nehmen.

F: Was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Außer die Kassierer zu nerven… – nein, um Gottes Willen, schreib das nicht auf. Ich wollte die natürlich nicht nerven. Am meisten Spaß hat es mir gemacht, bei Obst und Gemüse neue Sachen auszuprobieren. Ich bin zum Beispiel auf kleine Freilandgurken umgestiegen, weil es die großen nicht ohne Plastik gab. Und ich habe gemerkt: Man hat tatsächlich eine Auswahl.

F: Was hat dir am wenigsten Spaß gemacht?

A: Mir im Supermarkt die Zeit zu nehmen. Ich konnte nicht schnell nach der Arbeit spontan einkaufen gehen, sondern musste schon vor der Arbeit wissen, dass ich einkaufen will und meine Dose einpacken – oder noch einmal extra losziehen. Das ist ein Kampf gegen die Bequemlichkeit geworden.

F: Hast du etwas Neues entdeckt – außer der Freilandgurke?

A: Das Einkaufen im Ohne-Supermarkt (Anm: Unverpackt-Laden in München). Und vegetarische Streichcreme im Glas – weil ich viel auf Käse verzichten musste. Ich war zu faul, immer an die Käsetheke zu gehen und habe kurzerhand einen Käseverzicht daraus gemacht. Dafür habe ich viel Joghurt gegessen.

F: Wie oft bist du in den Unverpackt-Laden gegangen?

A: Nicht so oft, aber ich wäre vielleicht öfter gegangen, wenn er auf dem Weg liegen würde.

F: Wie hat das Plastikfasten außerhalb der Ernährung funktioniert?

A: Bei Ikea ganz schlecht. (Vor allem, weil man immer mehr kauft, als man geplant hatte…) Abseits von Nahrungsmitteln kaufe ich grundsätzlich sehr wenig. Weil ich noch Toilettenpapier auf Vorrat hatte, was das kein Problem, aber grundsätzlich sind Hygiene-Produkte wirklich schwierig ohne Plastik zu bekommen.

Dazu eine kurze Anekdote: Ich habe bei Buzzfeed entdeckt, dass es Familien gibt, die für jedes Familienmitglied ein Tuch haben, um sich den Popo abzuwischen und das dann täglich waschen. Das fand ich schon sehr grenzwertig. Ich denke, absolute Plastik-Vermeidung geht wahrscheinlich nicht. Es gab auch noch eine weitere Ausnahme: Ich war krank und Antibiotika gibt es eben nicht ohne Plastikverpackung. Aber dafür habe ich Lutschpastillen in der Blechdose entdeckt.

F: Was hast du vom Plastikfasten mitgenommen?

A: Dass es möglich ist, auf viel Plastik zu verzichten, ohne dass es unbequem ist (wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat), und dass es auch für nicht so viel mehr Geld funktioniert. Auch mit kleinem Budget kann man Plastik vermeiden, denn zum Beispiel Gemüse ohne Plastik ist nicht teurer als Gemüse mit Plastik.

F: Was wirst du nach der Fastenzeit beibehalten?

A: Obst und Gemüse ohne Plastik zu kaufen, soweit das geht. Joghurt in Gläsern – wobei man das Pfand regelmäßig wegbringen oder sehr viele Blumenvasen verschenken muss, wenn man nicht hunderttausend Joghurtgläser zu Hause haben möchte.

F: Wie viel Joghurt isst du? (Das war keine ernstgemeinte Frage; die Antwort gibt’s trotzdem)

A: 8-9 Gläser über die 40 Tage

F: Was ist dein nächstes plastikfreies Projekt?

A: Momentan bin ich dabei, im Bad zu entrümpeln. Viele alte Produkte schmeiße ich weg oder ich brauche sie auf. Mein nächstes Projekt wird die Menstruationstasse sein, da freue ich mich schon drauf. Das steht an, sobald ich alle Tampons aufgebraucht habe.

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