Hallo i bims, 1 kleiner Wutausbruch!

Manchmal frage ich mich, ob ich komplett meinen Humor verloren habe. Oder ob alle anderen komplett ihren Humor verloren haben. Oder ob alle anderen komplett meinen Humor verloren haben.

Meine letzte große Entdeckung im Jahr 2017 war die „hallo i bims“-Karte. Ich bin über sie gestolpert, als ich am 31. Dezember gegen 23:00 Uhr aus der Lukas-Bar in Wien gestolpert bin, und ich habe direkt zwei Exemplare mitgenommen: Eines für mich und eines für Marius. Der Start ins Jahr 2018 war, nicht nur bei mir, sondern scheinbar bei all meinen Bekannten, mit denen ich in den Tagen danach kommuniziert habe, eher mäßig bis gar nicht gut (da half dann leider auch der noch so lieb gemeinte Ratschlag „Andere Mütter haben auch fesche Burschen“ nicht weiter). Meine Gastgeberin Sophie und ich waren nicht gut drauf, und was soll ich sagen: Die ersten vier Folgen der dritten Staffel von „Lovesick“ zu bingewatchen hat die Sache nicht gerade besser gemacht.

Aber die „hallo i bims“-Karte hat die Sache besser gemacht – ich habe sie Sophie gezeigt und sie war davon ebenso begeistert wie ich, sodass ich sie ihr in einem Moment überschwappender Großmütigkeit geschenkt habe. Die Karte bekam einen Ehrenplatz an der Kühlschranktür und dort hing sie fortan … bis sie eines Tages verschwunden war, wie Sophie mir am Telefon berichtete. Ich war traurig. Ich war wütend. Ich war fasziniert davon, wie ein Gratis-Merchandise-Produkt mal wieder dermaßen starke Gefühle in mir auslösen konnte (ja, es passiert immer wieder: in meinen Migros-„Lego“-Supermarkt war ich dermaßen vernarrt, dass ich ihn sogar mit nach München umgezogen habe). Und als ich vergangenen Donnerstag meinen Briefkasten öffnete und darin die „hallo i bims“-Karte gefunden habe, war ich glücklich. Es fühlte sich so an, als hätte das Jahr 2018 in diesem Moment erst richtig begonnen. Danke, danke, danke, Sophie, dass du sie wiedergefunden hast.

hallo i bims

Seit meinem offiziellen Start ins Jahr 2018 letzte Woche sind nun also zwei Dinge passiert.

Erstens: Ich bin am Samstag eher so zufällig in eine Frauen-IT-Konferenz gestolpert, weil ich mir einen Vortrag meiner Arbeitgeberin Simone Burel anhören wollte. Bei diesem Vortrag stellte sie ihr neu erschienenes E-Book „Sprache denkt female“ vor, für das ich an dieser Stelle offensichtlich und ausdrücklich Werbung machen möchte, weil es ein bisschen auch mein kleines Baby ist: Ich habe es in den letzten Wochen fleißig lektoriert und gelayoutet. Beim anschließenden Networking habe ich einige Wahnsinns-Frauen kennengelernt. Das fand ich ziemlich super, weil networken nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen zählt und mir im Gegenteil sogar sehr schwer fällt. Im Gespräch mit einer dieser Frauen erwähnte ich, dass ich eigentlich vor allem Texterin bin, und bekam die überraschende Rückmeldung „Dich schickt der Himmel!“ mit dem anschließenden Auftrag eines Lektorats. Ja, lieben Dank, das freut mich, Autogramme gibt es später… Spaß beiseite, es ist nun mal wie es ist, auf solchen Networking-Events, so sehr ich sie hasse, hat man beste Chancen, sich künftige Arbeitsaufträge zu sichern. Und nebenbei Pizza zu essen.

Zweitens: Ich habe Sonntagabend mit Freunden und Freundinnen gekocht. Es gab Pizza. Den Sherlocks unter euch kann ich bestätigen: Ja, ich habe an diesem Wochenende jeden Tag Pizza gegessen. Das darf auch mal sein. Ich war also beim Kochen fleißig dabei, Pizzateig auszurollen (und ich meine wirklich ausrollen, nicht zart mit dem Nudelholz darüberstreichen), und da fiel der Satz:
„Franzi, du kannst das ziemlich gut [kochen], warum studierst du eigentlich?“

Es war nicht das erste Mal, dass ich diesen Satz gehört habe. Es war nicht das zweites Mal, dass ich diesen Satz gehört habe. Es war auch nicht das dritte Mal, dass ich diesen Satz gehört habe. Ich habe diesen Satz schon oft gehört. Und ich finde ihn nicht witzig. Nein, ich kann nicht darüber lachen, und da ist sie nun, die verbissene Feministin in mir, die sich nicht auf Hausfrauen-Qualitäten reduzieren lassen möchte. Ich kann nicht an einem Tag einem Vortrag über die Aufrechterhaltung von Geschlechter-Stereotypen lauschen und dann am nächsten Tag über diese Art von Witz lachen.

Dieser Satz macht mich doppelt wütend. Warum studiere ich überhaupt? Ich werde häufig mit der Frage nach dem Sinn und Unsinn meines Germanistik-Studiums konfrontiert, und wir wissen alle, wie aggressiv ich dabei werde. Warum studiere ich überhaupt, wenn ich doch so eine gute Hausfrau abgeben würde? Bevor ihr nun euer Urteil über meine Reaktion fällt und zu dem Schluss kommt, dass ich überreagiere, möchte ich euch bitten, euch folgende Frage zu stellen: Wenn ein Mann dabei wäre, Pizzateig auszurollen (und ich meine wirklich ausrollen, nicht zart mit dem Nudelholz darüberstreichen), würdet ihr dann seine Koche-und-Hausfrauen-Qualitäten loben, oder würdet ihr vielleicht stattdessen seine Muskelkraft loben? (Weil er ein starker Mann ist!)

Nicht jeder, nicht jede ist gut im Ausrollen von Pizzateig. Aber wenn eine Frau gut ist im Ausrollen von Pizzateig, dann wird das anders bewertet, als wenn ein Mann gut ist im Ausrollen von Pizzateig. Auch im Jahr 2018. Und darüber kann ich nicht lachen.

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